(BIERMANN) – Auf Einladung des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts (NMI) Reutlingen treffen sich bis morgen, 2. Juli, mehr als 200 Wissenschaftler aus aller Welt in der Reutlinger Listhalle, um über Anwendungen von Neurochips und Mikrosensoren in der physiologischen Grundlagenforschung, der Neurotechnologie und der pharmazeutischen Wirkstoffforschung zu berichten.
Mikroelektroden-Arrays (MEAs) koppeln die elektrischen Aktivitäten von Nerven- und Herzmuskelzellen mit empfindlicher Messelektronik. Die kleinen Plättchen aus Glas können mit lebenden Nervenzellen und Gewebe besiedelt werden und messen deren Signale mit in die Oberfläche eingelassenen Mikroelektroden. Die am NMI hergestellten MEAs, so erklärt das Institut, ermöglichen die gleichzeitige Messung und elektrische Stimulation "an bis zu 1000 Stellen der Präparate und Kulturen". Mehr und mehr würden sogenannte Neurochips eingesetzt, die mit mehreren tausend Sensorpunkten die experimentellen Möglichkeiten nochmals deutlich verbesserten, heißt es. MEAs und Neurochips würden in der neurophysiologischen Grundlagenforschung, in der Hirnforschung und in der industriellen Wirkstofffindung eingesetzt.
Das vom NMI alle zwei Jahre ausgerichtete Treffen in Reutlingen ist ein internationales Informations- und Diskussions-Forum zur MEA- und Neurochip-Technik. "Hier treffen sich Biologen mit Ingenieuren und Physikern, um aktuelle Ergebnisse und neue Entwicklungen zu diskutieren und neue Kooperationen anzubahnen", sagt Dr. Alfred Stett, Stellvertretender Institutsleiter des NMI.
Das NMI in Reutlingen entwickelt nach eigenen Angaben seit über 20 Jahren Mikroelektrodenarrays und sei mittlerweile "der führende Anbieter dieser Mikrosensoren". Die Reutlinger Systeme würden bereits in mehr als 500 Laboren verwendet, um elektrische Signale von Netzhaut-, Nerven- und Herzpräparaten sowie von differenzierten Stammzellen zu analysieren. Die Hauptanwender von MEAs, so das NMI, seien akademische Labors, mehr und mehr interessierten sich aber auch die Pharmaindustrie und Biotechnologieunternehmen für diese Technologie.
Die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH bringt als Mitveranstalter der Konferenz zum dritten Mal einen Tagungsband heraus, der die vielfältigen Aspekte der Technologie und ihrer Anwendungen widerspiegelt. Als weiterer Mitveranstalter konnte dieses Jahr das Bernstein Center Freiburg gewonnen werden. Diese wissenschaftliche Einrichtung ist in der Hirnforschung tätig und untersucht ferner, welche Erkenntnisse der Grundlagenforschung in die biomedizinische und neurotechnische Anwendung transferiert werden können.
Informationen:
www.nmi.de/meameeting2010/
Quelle: NMI
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