(BIERMANN) – Prof. Paulus T.V.M. de Jong (Rotterdam/Amsterdam) ist am Wochenende anlässlich des Makula Update 2010 in Hannover mit dem Junius-Kuhnt-Award ausgezeichnet worden.
Überreicht wurden Medaille und Urkunde durch Prof. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, und Dr. Anja Pfeffermann, Leiterin des Geschäftsbereichs Ophthalmologie bei Novartis Pharma. Die ersten Gratulanten waren die Vorsitzenden des Makula Updates 2010, Prof. Horst Helbig (Regensburg) und Prof. Hans Hoerauf (Göttingen).
De Jong (67) war der "Principal Investigator" der Sektion Ophthalmologie in der Rotterdam Studie und hat hierbei, so betonte Prof. Holz in seiner Laudatio, "das Hauptaugenmerk der Studie auf die AMD und das primäre Offenwinkelglaukom" gelenkt. "Den Ergebnissen der Studie sind zahlreiche bedeutende Erkenntnisse zu den Risikofaktoren der AMD zu verdanken. Diese Studien stellen weltweit einen Leuchtturm in der AMD-Forschung dar", unterstrich Holz. Heute ist de Jong "Senior Researcher" am Netherlands Institute of Neuroscience (NIN), dem früheren und von ihm neu strukturierten Netherlands Ophthalmic Research Institute (NORI). Am NIN leitet er heute die Abteilung Ophthalmogenetik und befasst sich schwerpunktmäßig mit der genetischen Epidemiologie der AMD, des PCOWG und anderer erblicher Augenerkrankungen.
Als Meilensteine des wissenschaftlichen Oeuvres de Jongs erwähnte Holz beispielhaft
- das von de Jong gemeinsam mit Ron Klein verfasste internationale Klassifikationssystem für die AMD
- den durch seine Forschungsarbeit erbrachten Beleg, dass es sich bei der AMD um eine multifaktorielle Erkrankung handelt
- de Jongs Beitrag, durch neue statistische Methoden Hochrisikopatienten zu identifizieren und
- den Nachweis, dass eine antioxidanzienreiche Ernährung den Verlauf der AMD günstig beeinflusst.
Begonnen hatte der Jongs besonderes klinisches und wissenschaftliches Interesse an "medical and surgical retina" während eines "vitreoretinal surgical fellowship", erinnerte Holz: "Das Thema sollte ihn nicht mehr loslassen."
1985 hatte de Jong - inzwischen Direktor der Augenklinik der Erasmus Universität Rotterdam - "mit systematischen histopathologische Studien zur AMD" begonnen. "Über die Jahre intensivierte sich sein Interesse daran und schloss auch epidemiologische und insbesondere in den letzten Jahren genetisch-epidemiologische Aspekte der Erkrankung ein."
Seine Junius-Kuhnt-Lecture hatte der neue Preisträger unter den Titel "Alters-Makula-Dekompensation (AMD) - Vom Anfang bis zum letzten Risikofaktor" gestellt. Der Titel verdeutlichte bereits de Jongs Anliegen, über die Begrifflichkeit der AMD neu nachzudenken: "Altersbezogen" hält er für falsch - auch juvenile Erkrankungen seien altersbezogen -, und Degeneration erscheint ihm zu wenig aussagekräftig, zu unscharf für das multifaktorielle Geschehen in der Retina. Der neue mögliche AMD-Risikofaktor, auf den er das Auditorium aufmerksam machte, ist die regelmäßige hochdosierte Einnahme von Aspirin. (dk)
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