(BIERMANN) – Im Streit um die Zukunft der Lübecker Universität ist das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen. Nach einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) am Sonntag in Bargteheide (Kreis Stormarn) sagte der Lübecker Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): "Die Gespräche haben gezeigt, dass es noch die Chance auf Alternativen gibt."
Um ihren Medizinstudiengang zu retten, will die Universität nun ein anderes Konzept vorlegen, das die von der Landesregierung definierte Einsparsumme deckt. Die Kieler CDU/FDP-Koalition plant, künftig nur noch in der Landeshauptstadt Mediziner auszubilden. Damit will sie 24 Millionen Euro pro Jahr sparen.
Carstensen, Finanzminister Rainer Wiegard und Wissenschaftsminister Jost de Jager (alle CDU) bekräftigten ihre Sparpläne. Sie erklärten sich aber bereit, alternative Vorschläge zu prüfen. Zu dem Treffen waren unter anderem auch der Universitätspräsident Peter Dominiak und Vertreter der Wirtschaft gekommen. Alle unterstrichen die Notwendigkeit zur Konsolidierung des Landeshaushaltes. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden.
Mit scharfem Protest wehren sich Lübeck und die Uni gegen die Pläne der Landesregierung, den Studiengang Medizin zu streichen. Dabei bekommen sie Rückenwind aus der Wirtschaft. Von 2500 Studienplätzen in der Hansestadt sind 1500 Medizinstudienplätze. Lübeck und die Uni fürchten das Aus der gesamten Hochschule.
Bei einer Schließung der Universität Lübeck würde die Stadt nach neuen Berechnungen rund 20.000 ihrer etwa 211.700 Einwohner verlieren. Es hingen ungefähr 12.000 Arbeitsplätze an dem gesamten Wissenschaftsbetrieb, sagte Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) den "Lübecker Nachrichten" (Sonntag). Falls diese wegfielen, hätte das drastische Konsequenzen für die städtischen Finanzen, warnte er.
"Allein durch die Abwanderung würden wir zwölf Millionen Euro Finanzausgleich jedes Jahr einbüßen." Durch die Verkleinerung oder Abwanderung von Betrieben der Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft würden außerdem 15 Millionen Euro an Gewerbesteuer jährlich verloren gehen. Am 16. Juni ist in Kiel eine Demonstration geplant. (dpa)
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