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Fakultätentag und KVSH: Ärzteausbildung in Lübeck erhalten

In Lübeck soll das Medizin-Studium erhalten bleiben, fordern der Medizinische Fakultätentag und die KV Schleswig-Holstein. Fotoquelle: Biermann Medizin
In Lübeck soll das Medizin-Studium erhalten bleiben, fordern der Medizinische Fakultätentag und die KV Schleswig-Holstein. Fotoquelle: Biermann Medizin

28.05.2010 (BIERMANN) – Der Medizinische Fakultätentag (MFT) fordert, die öffentlichen Mittel für das Medizinstudium in Lübeck zu erhalten. Er wendet sich damit gegen Pläne der Haushaltsstrukturkommission des Landes Schleswig-Holstein. Danach sollen bei der Ärzteausbildung jährlich über 25 Millionen Euro eingespart werden.

Nach Ansicht der Haushaltsstrukturkommission, so der MFT, sei das Studienplatzangebot für Mediziner in Schleswig-Holstein überproportional groß - gemessen an der Zahl der Studienplätze des Landes. Ab dem Wintersemester 2011/12 sollen deshalb keine neuen Studienanfänger für Medizin in Lübeck immatrikuliert werden. Doch auch ohne die geplanten Kürzungen zählt Schleswig-Holstein nach Mitteilung des MFT hinsichtlich der Landesmittel für die Ärzteausbildung schon heute zur "Schlussgruppe in Deutschland".

"Das Aus für das Medizin-Studium in Lübeck ist in Zeiten des drohenden Ärztemangels das völlig falsche Signal", reagierte auch Dr. Ingeborg Kreuz, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, auf die Pläne der Landesregierung. Danach würden in Lübeck rund 1500 Studienplätze verloren gehen. "Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Medizinstudenten", so Kreuz. "Nur so können wir die Lücken in der Patientenversorgung schließen, die sich jetzt schon auftun". In den kommenden fünf Jahren gehen laut KVSH in Schleswig-Holstein rund 900 Hausärzte in den Ruhestand, ähnlich sehe es bei den Fachärzten aus. "Medizinischer Nachwuchs in der selben Größenordnung ist nicht in Sicht", heißt es.

"Die Universität Lübeck zeichnet sich durch eine hohe Qualität der medizinischen Lehre und Innovationen in der Medizintechnik aus", betont der Medizinische Fakultätentag. Interdisziplinäre, wissenschaftliche Leistungen und einrichtungsübergreifende Kooperationen gingen vom hochschulmedizinischen Forschungs- und Ausbildungsstandort aus und machten ihn zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region, heißt es weiter.

"Wer die Medizinerausbildung in Lübeck einstellt, amputiert nicht nur die Universität in ihrem Kernbereich. Denn ohne Medizin sind auch die Kooperationen mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und medizintechnischen Unternehmen am Wissenschaftscampus kaum überlebensfähig", meint Prof. Dieter Bitter-Suermann, Präsident des MFT. Künftig dürften deutlich weniger Drittmittel von Bundes- und EU-Förderinstitutionen nach Lübeck fließen. Firmen der Region hätten weniger Kooperationsmöglichkeiten. Sinkende Steuereinnahmen und ein Abbau von Arbeitsplätzen seien zu befürchten.

"Es wäre verantwortungslos, eine solche Abwärtsspirale einzuleiten", gibt der MFT-Präsident zu bedenken. Ein tragfähiges Auffangkonzept für die unmittelbar betroffenen Menschen liege der Medizinischen Fakultät in Lübeck nicht vor. Auch die Medizinische Fakultät in Kiel wisse noch nicht, was auf sie zukomme.

Die Bundesregierung würde die Zahl der Medizinstudienplätze sogar erhöhen wollen, doch auf Landesebene gingen die Regierungsparteien in Schleswig-Holstein in die andere Richtung, konstatiert der MFT. Dabei erfreue sich Lübeck bei den angehenden Medizinern wachsender Beliebtheit. "Die sehr gute Qualität der medizinischen Lehre in Lübeck hat der Wissenschaftsrat mehrfach bestätigt", lobt Bitter-Suermann. Besonders in ländlichen Gebieten werde der ärztliche Nachwuchs dringend gebraucht. Ein Immatrikulationsverbot für Studienanfänger würde jedoch bedeuten, dass die Ausbildungsqualität der bereits eingeschriebenen Studierenden sinken wird. Denn Leistungsträger würden sich wegbewerben.

"Ich setze darauf, dass die verantwortlichen Politiker sich noch intensiver mit dem Potenzial der Universitätsmedizin in Lübeck und dem Versorgungsbedarf in Norddeutschland befassen. Die langfristigen Auswirkungen der vermeintlichen Einsparungen müssen umfassender geprüft werden", appelliert Bitter-Suermann. Der MFT fordert, die Landesmittel und die Studienplätze für die Ärzteausbildung in Schleswig-Holstein zu erhalten. Hierfür müsse der Standort Lübeck gesichert werden, denn die Verlagerung von Studienplätzen nach Kiel wäre mit zusätzlichen Kosten verbunden.



Quellen:
Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland
KV Schleswig-Holstein

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