– BERLIN (BIERMANN) – Die Bundesärztekammer (BÄK) sieht die ohnehin schon geringe Organspendebereitschaft durch die von der EU-Kommission geplante Richtlinie über Qualität und Sicherheit von Organen noch stärker gefährdet. Davon wären auch Hornhautspenden betroffen.
"Die Brüsseler Zentralisierungspläne bei Organspende lösen keine Probleme, sondern schaffen neue", sagte Dr. Martina Wenker vom Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) auf dem 2. Wissenschaftlichen Symposium der BÄK zur Lage der Transplantationsmedizin, das gestern in Berlin begonnen hat.
Der EU-Kommission gehe es bei dieser seit Herbst 2008 geplanten Richtlinie nicht um eine Optimierung der Selbstverwaltungsstrukturen, sondern um die Einführung staatlicher Administration in die Organspende.
"Die geplante EU-Richtlinie wird nicht den Mangel an Organen beheben, sondern eher zementieren. Denn Zentralismus lähmt Prozesse und Bürokratie verkrustet Strukturen", betonte Wenker und verwies in diesem Zusammenhang auf die Erfahrung mit der EU-Geweberichtlinie, die in Deutschland potenzielle Spender extrem verunsichert habe. "Wir brauchen für die Organspende keine supranationalen Normvorschläge, sondern differenzierte Regelungen, die die Transplantationsmedizin wirklich voranbringen."
Dies sei dringend notwendig, da man den Spendermangel nicht wegdiskutieren könne: "Wir brauchen eine größere Motivation zur Organspende. Wir brauchen flächendeckend Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern, vor allem aber müssen wir das Niveau der Transplantationsmedizin in Deutschland sichern und uns gemeinsam mit der Bundesregierung gegen die Brüsseler Zentralisierungspläne stemmen", erklärte Wenker.
Deshalb forderte das BÄK-Vorstandsmitglied, dass "ein wichtiger Impuls für die Zukunft der Transplantationsmedizin in Deutschland" von der Berliner Tagung ausgehen müsse. Trotz der verbesserungswürdigen Lage betonte Wenker, dass die Selbstverwaltungspartner in den vergangenen Jahren "hervorragende Arbeit" geleistet hätten. Dies sei durch schwierige Rahmenbedingungen nicht leicht gewesen. Man müsse nun darauf aufbauen und die Strukturen weiter optimieren.
Eine Verbesserung könnte hier durch eine flächendeckende Einführung von unabhängigen Transplantationsbeauftragen in den Krankenhäusern erzielt werden. Im Land mit der höchsten Spenderrate in Europa - Spanien - hätten diese Transplantationsbeauftragten eine Schlüsselrolle für den Erfolg bei der Organspende gespielt.
Doch diese Transplantationsbeauftragten sieht auch die EU-Richtlinie vor. Die damalige EU-Gesundheitskommissarin, Androulla Vassiliou, unterbreitete im Dezember 2008 ihre Vorschläge in einem Zehn-Punkte-Plan zur Umsetzung der Richtlinie.
Weiteren Handlungsbedarf sieht die BÄK auch in der Abstimmung im Krankenhaus. Hier müsse dringend diskutiert werden, welche Rolle den Krankenhäusern mit Intensivstationen bei der Mitteilung potenzieller Organspender zukomme. Zwar seien die Krankenhäuser schon jetzt gesetzlich verpflichtet, dem zuständigen Transplantationszentrum potenzielle Spender vermittlungspflichtiger Organe mitzuteilen. Doch diese Verpflichtung sei längst noch nicht zum täglichen Handeln geworden. Erst wenn dies gegeben sei, könne die Organspende auch in der Fläche möglich werden.
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