(BIERMANN) – Mit dem Appell, sich nicht durch politische Ränkespiele irritieren und auseinanderdividieren zu lassen, hat sich die Vorsitzende der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Dr. Irmgard Pfaffinger, an die Vertreter der Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten in Bayern gewandt. Sie rief die Mitglieder der VV dazu auf, neben der notwendigen Diskussion über das Honorar auch und in erster Linie das Wohl der Patienten im Blick zu behalten.
Wie eng diese beiden Aspekte - Vergütung ärztlicher Leistungen und Güte der ambulanten Versorgungsstrukturen - miteinander verknüpft sind, stellte Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KVB, in seinem Bericht dar. Er betonte, dass die KV Bayerns die neuerliche Honorarreform, die die Einführung Qualifikationsgebundener Zusatzvolumen (QZV) seit dem 1. Juli vorsehe, nicht gewollt habe. Denn im Gegensatz zu anderen KVen im Bundesgebiet hatte die KVB Verwerfungen, die durch die Honorarreform vom 1. Januar 2009 entstanden waren, über eine Vielzahl individueller Anträge ausgeglichen.
Für die bayerischen Augenärzte gibt es QZV für Elektroophthalmologie, Fluoreszenzangiographie, Kontaktlinsenversorgung, Anpassung vergrößernder Sehhilfen und Orthoptik. Nähere informationen wie die Zuordnung der jeweiligen EBM-Gebührenordnungspositionen sind einer gesonderten Broschüre der KVB zu den QZV zu entnehmen.
"Mit der aufwändigen Antragsbearbeitung konnten wir zumindest ein wenig Gerechtigkeit zurück ins Honorarsystem bringen", so Munte. "Diese Leistung hat die Einführung der QZV nun zunichte gemacht." Die KVB habe gemeinsam mit den Berufsverbänden versucht, die QZV so passgenau wie möglich zu gestalten. Erste Prognosen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu den Verteilungseffekten hätten in Bayern nicht gegriffen. Jetzt zeige sich ganz klar: Die neue Honorarsystematik könne die Gegebenheiten in der bayerischen Versorgungslandschaft nicht adäquat abbilden.
"Wenn sich am Honorarsystem nicht umgehend und grundlegend etwas ändert, wird sich insbesondere die fachärztliche ambulante Versorgung in Bayern spürbar verschlechtern. Das System kann so nicht länger bestehen", erklärte Munte. Um den niedergelassenen Ärzten das notwendige politische Gewicht in den Diskussionen auf Bundes- und Landesebene zu verleihen, sei der Erhalt einer starken, einigen Vertretung der Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten unerlässlich.
Auch der erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Gabriel Schmidt vertrat die Überzeugung, dass die niedergelassenen Ärzte trotz aller Querelen in der KV gut vertreten seien. Sowohl Munte für den fachärztlichen als auch Schmidt für den hausärztlichen Bereich stellten zahlreiche regionale Zusatzverträge vor, die mit den Krankenkassen in Bayern vereinbart werden konnten. Auch die von der KV Bayerns ausgehende bundesweite Initiative zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen sei ein klares Signal an Politik und Öffentlichkeit, dass die KVen weiterhin wichtige Akteure bei der Gestaltung der Versorgungslandschaft in Deutschland seien.
Der zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende Rudi Bittner machte sich für einen Antrag des KVB-Vorstands zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen in Bayern stark. "In Bayern wird nachgewiesenermaßen mehr Zeit pro Patient aufgewendet und so eine Versorgungsrealität geschaffen, die sich von der anderer Regionen Deutschlands erheblich unterscheidet. Darum kann eine Verteilung der Honorare an die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland nach dem Gießkannenprinzip - wie es manche Ärztevertreter anderer KVen derzeit fordern - nicht richtig sein", erläuterte Bittner. Die VV der KVB folgte Bittners Ausführungen und stimmte dem Antrag des KVB-Vorstands zu, in dem es heißt: "Die VV lehnt alle Bestrebungen ab, die eine Nivellierung der ambulanten Versorgungsstruktur auf bundesweite Durchschnittswerte zum Ziel haben oder mit sich bringen. Denn Nivellierung bedeutet für Bayern den Abbau von Versorgungsstrukturen, Existenzgefährdung von Praxen, Planwirtschaft und Leistungsfeindlichkeit."
Quelle: KVB / dk
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