(BIERMANN) – Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von heute 50 Millionen auf 35 Millionen sinken, gleichzeitig wird es rund zehn Millionen mehr hochbetagte Menschen von über 80 Jahren geben als heute - und auch entsprechend mehr altersbedingte Erkrankungen und Gesundheitskosten. Dieses Szenario zeichnete Prof. Fritz Beske vom Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung während des 12. Bundeskongresses der niedergelassenen Chirurgen in Nürnberg.
"2050 wird ein Erwerbstätiger für einen Rentner aufkommen müssen", rechnete Beske vor. Bei unverändertem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und einem beziehungsweise zwei Prozent Kostensteigerung infolge des medizinischen Fortschritts müssten die GKV-Beiträge folglich auf 27 beziehungsweise 43 Prozent angehoben werden.
Der Gesundheitsökonom - selbst mittlerweile 87 Jahre alt - forderte, den GKV-Leistungskatalog endlich an die verfügbaren Finanzmittel anzupassen und wieder an den Vorgaben des Sozialgesetzbuchs auszurichten: "Eine Behandlung zu Lasten der GKV muss ausreichend, notwendig, wirtschaftlich und zweckmäßig sein. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten über unsere Verhältnisse gelebt und müssen endlich aufhören, den Versicherten mehr zu versprechen als tatsächlich möglich ist." Eine Möglichkeit zur Umkehr sah Beske in der Priorisierung ärztlicher Leistungen und damit Festlegung der Reihenfolge von Behandlungen nach Wertigkeit. Die Erarbeitung entsprechender Priorisierungslisten sei eine ärztliche Aufgabe, der Anstoß hierfür müsse allerdings primär aus der Politik kommen, betonte Beske.
Neben der Priorisierung ist die Förderung ambulanter Operationen eine Möglichkeit, das Wirtschaftlichkeitsgebot des Sozialgesetzbuchs einzuhalten - auch in einer alternden Bevölkerung: "Das Lebensalter als solches ist kein Grund, einem Patienten von einer ambulanten Operation abzuraten", erklärte Elmar Mertens vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA). Dies gelte sowohl für die Operation als auch für die Narkose. Der allgemeine Gesundheitszustand sei nicht zwingend an ein bestimmtes Alter gebunden: "Ich habe weniger Bedenken gegenüber einer ambulanten Narkose bei einem alten als bei einem 4x40er-Patienten: 40 Jahre alt, 40 Zigaretten pro Tag, ein BMI von 40 und außerstande, 40 Treppenstufen zu gehen", sagte Mertens.
Quelle: BNC
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